KBS & Geschichtswerkstatt Trafo beim NSU Tribunal in Köln


„Wir klagen an!“ – so lautete der Auftrag an das NSU Tribunal, organisiert von der Initiative „NSU-Komplex auflösen“. Unter folgendem Link steht die vollständige Anklageschrift als .PDF zum Download bereit.


Auch wir nahmen mit der Geschichtswerkstatt Trafo, einem Kooperationsprojekt des Kulturbüro Sachsen e.V. und der Mobilen Jugendarbeit Chemnitz, am NSU Tribunal teil. Mit der Ausstellung zu Tat- und Wohnorten des NSU-Netzwerkes wurden die derzeitigen Arbeitsstände der von Schüler*innen und Studierenden aus Chemnitz zusammengetragenen Recherchen vorgestellt. Ein interaktiver Workshop zum Thema Aktivierung von Recherche und Erinnerung vor Ort zum Komplex NSU erreichte über 50 Teilnehmer*innen.

 
Der „Nationalsozialistische Untergrund“ – so benannte sich die Terrorgruppe, die mindestens zehn Morde beging und drei Sprengstoffanschläge verübte. Wir stellten uns die Frage, ob überhaupt von einem „Untergrund“ die Rede sein kann und wie diese Gruppierung vernetzt war. In drei Stunden setzten sich ca. 50 Teilnehmende mit der Methode der „Geschichtswerkstatt“ und dem Sozialisationsraum des „NSU“ in Sachsen auseinander. Daraus konnte die Erkenntnis gewonnen werden, dass es keinen „Untergrund“ gab. Das Kern-Trio konnte sich in Chemnitz frei bewegen, hatte funktionierende soziale Strukturen und ein Netzwerk, welches sie stärkte. Im Ergebnis des Workshops wurden Erwartungshaltungen zur „lückenlosen“ Aufklärung formuliert. Als Adressat*innen der Erwartungen benannten die Teilnehmer*innen Polizei, Staat und Medien. Über deren Grenzen sind zivilgesellschaftliche Initiativen und Akteur*innen verantwortlich.


Ein wichtiges Ziel der Teilnahme am Tribunal ist die bundesweite Vernetzung mit anderen Gruppen, etwa mit Initiator*innen von La Talpa e.V. und ihrem Projekt „History Reclaimed“. In Kooperation mit Jugendlichen aus sieben Städten konzipierten sie „critical walks“ zum NSU, die über die App „Actionbound“ genutzt werden können. Mithilfe der Vernetzung und angedachten Zusammenarbeit hoffen wir mit den Ergebnissen aus den Recherchen rund um Chemnitz kooperierender Teil des Projekts: History Reclaimed zu werden und diese Vernetzung auch mit weiteren sächsischen Gruppen voranzubringen.